Traum seines Schützenlebens geht in Erfüllung 

Der 79-jährige Sebastian Jagmann bringt im 49. Jahr seiner Mitgliedschaft bei den Sebastianus-Schützen das Königssilber zum ersten Mal in seinen Besitz. 

Würselen. Der Vogelschuss der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 im Stadtgarten war, was das Wetter anbetraf, ein kleines Lotteriespiel, zumal es am Morgen noch genieselt hatte und während des Wettstreits immer wieder dunkle Regenwolken von Westen aufzogen. Da der Wettergott ein Einsehen mit den Schützen hatte, konnte dem von Kerstin Claessen-Eason kunstvoll gestalteten Vogel auf der Stange „programmgemäß“ mit Schwarzpulver und Blei zu Leibe gerückt werden. Dazu konnte Präsident Hans-Peter Claessen 28 Schützen am Schießstand begrüßen, unter ihnen auch den Newcomer Markus Braunleder, der kräftig mitmischte. In Szene setzten sich aber bis zum bitteren Ende auch die beiden Senioren der Gesellschaft, Christian Pütz (85) und der 79-jährige Sebastian Jagmann, der sich um 19.42 Uhr den Traum seines Schützenlebens erfüllte. Mit einem gezielten Schuss brachte er im 49. Jahr seiner Mitgliedschaft das Königssilber zum ersten Male in seinen Besitz. Trotz der Überraschung war bei ihm und bei den Schützenbrüdern die Freude über diesen „Husarenstreich“ groß. Freuen durften sich auch die Spellsleute von Markt Preck, denen er das Königsspiel bescherte.

Viele junge Familien mit kleinen Kindern fanden den Weg zum Wiesenfest in den Stadtgarten, das mit drei Böllerschüssen – von Bardenberger Schützen in Gebirgsjägertracht abgefeuert – weit vernehmbar „eingeläutet“ wurde. Die Kids waren beim Zirkusartisten Gioco bestens aufgehoben. Bei ihm lernten sie unter anderem Jonglieren mit Keulen und Reifen, aber auch das Diabolo-Spiel. Erstmals drehte eine nostalgische Kindereisenbahn – stets bis auf den letzten Platz besetzt – bis zum Abschluss des Wettstreits ihre Runden. Musikalisch kamen die Besucher bei den Auftritten des Bundestambourkorps’ „Alte Kameraden“ unter Korpsführer Guido Bleser auf ihre Kosten. Überhaupt herrschte beste Stimmung nicht nur bei den Schützen rund um den 387. Königsvogelschuss im Stadtgarten, wo auch eine der ersten angelegten Blühflächen bewundert werden konnte.

Zunächst ermittelten die Gäste mit einer Traditionsbüchse den Volkskönig. Diesen Wettstreit entschied mit dem 52. Schuss Franz-Josef Offermann, ein Aktiver der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Scherberg. Zu ersten Ehren kam er anschließend: Mit Bürgermeister Arno Nelles und Bezirksbundesmeister Hans-Josef Krings feuerte er die Ehrenschüsse zum 387. Königsvogelschuss ab. Zügig gingen die angetretenen Schützen zu Werke, nachdem sie zuvor der Verstorbenen der Gesellschaft mit musikalischer Unterstützung durch die „Alten Kameraden“ gedacht hatten. „Vize“ Dirk Nehr rief nacheinander die Schützen, die zügig zu Werke gingen, auf, während Geschäftsführer Heinz-Dieter Pütz akribisch das „Protokoll“ führte. Nach 45 Minuten Wettstreit hatte der Vogel schon mächtig Federn gelassen, so dass die Schützen eine Verschnaufpause einlegen konnten, die das Korps mit klingendem Spiel ausfüllte. Mit einer neuen Waffe wurde zum Endspurt geblasen. Manfred Gruner räumte bei seinem Volltreffer kräftig ab. Ludwig Schmalen ließ das „Vieh“ erzittern, während Ingo Tillmann den Rest des Holzes halbierte. 

„Es sieht so leicht aus . . .“

Voll drauf hielten auch alle nachfolgenden Schützen, so dass die Entscheidung rasch näher rückte. Dirk Nehrs Kommentar: „Es sieht so leicht aus, ist es aber nicht!“ Diese Erfahrung machten mit ihm auch Heinz-Dieter Pütz, Dr. Horst Josef Peltzer und Hans-Josef Mertens. „Er muss unten links ausgehebelt werden“, erteilte Präsident Claessen den Konkurrenten, zu denen auch Hans-Josef Bülles zählte, gute Ratschläge. Beinahe hätte der amtierende König Rudi Mainz seine Würde verteidigt. Nach ihm ließ sich Sebastian Jagmann die sich ihm bietende einmalige Chance nicht entgehen. Beim 105. Schuss bewies er seinen Schützenbrüdern, dass er lange noch nicht zum alten Eisen gehört.

„Ist das nicht schön!“ traten die Schützen – auch aus Bardenberg und Scherberg – zur Gratulation an, unter ihnen der Bezirkskönig Wilhelm Kuntz. Dass die Precker Spellsleute ihm zujubelten, versteht sich dabei von selbst. Unter freiem Himmel segnete Diakon Michael Lang schließlich das Königssilber. Als Vorschütze wurde Rudi Mainz zum Ehrenkönig gekürt. (ehg)


Hohe Ehrungen beim Patronatsfest


St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 feiert ihren Präsidenten

Würselen. Gemeinsam mit der Pfarre feierte die St.-Sebastianus-Schützengesellschaft ihr Patronatsfest. Eingeläutet wurde es durch den Besuch eines von Pfarrer Reiner Gattys zelebrierten Festgottesdienstes im „Dom“. Assistiert wurde ihm dabei von Diakon Michael Lang. Der Kirchenchor unter der Leitung von Ulrike Botzet gestaltete das Hochamt musikalisch. Unter den Klängen des Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ unter Korpsführer Guido Bleserging es dann ins Pfarrheim, wo der Präsident der Gesellschaft, Hans-Peter Claessen, Abordnungen der Hubertus-Gilde Morsbach, von St. Hubertus Scherberg, von St. Sebastianus Schweilbach und von St. Salmanus Drisch begrüßen konnte. Ein besonderer Gruß galt dem amtierenden König Rudi Mainz und dem Volkskönig, Vize-Bürgermeister Winfried Hahn, sowie Pfarrer Karl-Josef Pütz.

Im Mittelpunkt stand die Ehrung langjähriger Schützen. Präsident Claessen waltete zunächst bei Ingo Tillmann seines Amtes, indem er ihm das Silberne Verdienstkreuz verlieh. Sodann waren die 40-jährigen Jubilare an der Reihe, Herbert Jakobs und Hauptmann Diether Zimmermann, bei denen er sich mit einer Wittl-Urkunde für deren Einsatz bedankte. Nachgereicht wird sie bei Siegfried Moll und Ewald Kreutz, die nicht anwesend waren. Eine Überraschung hielt die Gesellschaft für ihren Präsidenten bereit, der 26 Jahre Vorstandsarbeit auf dem Buckel hat. Nach der einleitenden Rede von Vizepräsident Dirk Nehr „dekorierte“ ihn Bezirksbundesmeister Hans-Josef Krings mit dem Sebastianus-Ehrenkreuz.

Dann ging es karnevalistisch zu: Neben dem sympathischen Prinzenpaar hieß Hauptmann Dieter Zimmermann auch das Komitee Würselener Karneval mit Präsidentin Renate Worms und die Prinzengarde mit Mariechen Melania Kreutzer willkommen. Keine Frage: Die Matinee hatte ihren Höhepunkt erreicht, als der Narrenherrscher das Fußvolk mit seinem Mottolied auf die närrischen Tage einstimmte, die in diesem Jahr lange auf sich warten lassen.

Wenige Tage vor dem Fest hatten sich die Schützen zur Jahreshauptversammlung im Vereinslokal Haus Brepols, Aachener Straße, eingefunden. Es standen die Rechenschaftsberichte des Geschäftsführers, des Schatzmeisters und des Schießsportwartes auf der Tagesordnung. Die Entlastung des alten Vorstandes war reine Form sache: Er wurde in Gänze in den Ämter bestätigt. Präsident bleibt Hans-Peter Claessen, stellvertretender Präsident Dirk Nehr, Schatzmeister Diether Zimmermann, Geschäftsführer Heinz-Dieter Pütz und Schießsportwart Gerhard Hendriks. Als Hauptmann wird Zimmermann ebenfalls weiter seines Amtes walten, ebenso der 1. Fähnrich Walter Tillmann. Claessen bedankte sich für das dem gesamten Vorstand entgegen gebrachte Vertrauen. (ehg/dn)
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