Königsvogel steckt etliche Volltreffer weg

Mit dem 133. Schuss entscheidet Heinz-Dieter Pütz den spannenden Wettstreit im Stadtgarten für sich. Markt-Preck ist Königsspiel. 

Der neue König lebe hoch: Die St.-Sebastianus-Schützengesellschaft feiert im Stadtgarten Heinz-Dieter Pütz. Er errang er zum dritten Mal die Königswürde. Foto:W.Sevenich 

Würselen. Lange nicht mehr nahm ein Vogelschuss der traditionsreichen St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 im Stadtgarten einen so spannenden Verlauf wie der 378. in diesem Jahr. Nicht weniger als 21 ambitionierte Schützen lieferten sich einen erbitterten Kampf und stellten dabei ihre Treffsicherheit mit den Traditionsgewehren voller Ehrgeiz unter Beweis, bis der letzte Span des von Kerstin Claessen-Eason kunstvoll gestalteten, über 20 Zentimeter starken Vogels gefallen war. Der 80-jährige amtierende König Sebastian Jagmann legte sich dabei genauso ins Zeug wie der sechs Jahre ältere Christian Pütz, der den Wettstreit bis zur letzten Runde durchstand, und der 76-jährige Ex-Präsident Winand Speckens. Mit dem 133. Schuss bereitete der Sportschütze Heinz-Dieter Pütz um 20.28 Uhr dem schießsportlichen Krimi ein für die Spellsleute von Markt-Preck freudiges Ende. Ihnen bescherte er das Königsspiel.

Willi Dahmen ist Volkskönig

Zum 14. Male wurde ein Volkskönig ermittelt. Unter fachlicher Anleitung von Schießmeister Gerhard Hendriks traten zu diesem Wettstreit 37 Nicht-Schützen an. Ihn entschied mit dem 83. Schuss Willi Dahmen für sich. Die kleinen Besucher waren unterdessen bei Clown Gioco bestens aufgehoben. Am Schießstand marschierten zu den Klängen des Bundestambourkorps‘ „Alten Kameraden“ unter der Leitung von Guido Bleser, die auch noch durch eine Einlage die Schützen zu ihrem Wettkampf auf. Präsident Hans-Peter Claessen hieß die Gäste willkommen. Er freute sich vor allem über die große Zahl der „Spellsleute“, die am Ende auch ihre Hoffnungsträger lautstark anfeuerten, dazu animiert von Ansager Dirk Nehr. Den Hut ab zogen die Schützen im stillen Gedenken an die Verstorbenen. Baldige Genesung wünschte Hauptmann Diether Zimmermann den erkrankten Schützen. In seinem Grußwort unterstrich Bürgermeister Arno Nelles, es sei in unserer Zeit wichtig, sich zu Werten zu bekennen. Allen Schützen wünschte er viel Glück und auch Spaß am schießsportlichen Wettstreit. Zwei Böllerschüsse „läuteten“ ihn ein.

Die Waffe gewechselt

Die Ehrenschüsse feuerten mit Schwarzpulver und Blei neben dem Bürgermeister Diakon Michael Lang, der Bezirksbundesmeister Hans-Josef Krings und der kurz zuvor ermittelte Volkskönig Willi Dahmen ab.

Angesichts des strahlenden Sonnenscheins gingen die Schützen ihr Vorhaben recht entspannt an. Erst als die Waffe gewechselt worden war, nahm der Wettstreit Fahrt auf. Und der Vogel ließ nach und nach mehr Federn. Für den ersten großen Schrecken sorgte um 20.01 Uhr der spätere König Heinz-Dieter Pütz. Dem Präsidenten blieb das Herz fast stehen. Er hatte zwar eine Menge Holz abgeräumt. Doch das Ende war noch lange nicht in Sicht. Das Holz auf der Stange schluckte einen Volltreffer nach dem anderen. Auch die des Präsidenten, den Fortuna nach rund 40 Jahren Zugehörigkeit zur Gesellschaft auch beim 378. Vogelschuss schmählich in Stich ließ. Hans-Josef Bülles versuchte, unterstützt von einer Fangemeinde, sein Glück, auch ohne Erfolg. Die Schützenfrauen wurden, wie „Vize“ Dirk Nehr, der wie viele andere Schützen „heiß“ auf das Königssilber war, bemerkte, langsam nervös. Ein kurzer Blick zurück zur Ehefrau und schon wieder wurde entschlossen die Donnerbüchse angelegt. Manfred Wirtz, der schon viermal König geworden war, war auch 2012 erst im letzten Augenblick zu bremsen.

Königssilber überreicht

Erneut war der schon zweimalige König Heinz-Dieter Pütz zur Stelle und bereitete seinem Vater den Boden. „Es ist unglaublich, was der Vogel aushält!“, kommentierte Nehr seinen Treffer. Hans-Josef Mertens ließ den letzten Span um die Schraube kreisen. Manfred Gruner vermochte es nicht, seine künftige Ehefrau Birgit als König zu beglücken. Stückchen für Stückchen wurde der Span zerlegt. Dirk Nehr: „Schießen können Sie alle!“ Was keiner Frage bedurfte.

Doch Geschäftsführer Heinz-Dieter Pütz hatte beim 133. Schuss das Glück für sich gepachtet. Bereits 1988 und 2000 trug der Techniker, der 39 Jahre der Gesellschaft angehört, das Königssilber.

Nach einem kurzen Aufmarsch überreichte ihm der Präsident zum dritten Male das Königssilber, während Diakon Lang ihn segnete. Angestoßen wurde im Festzelt darauf, wo mittags die Schützen mit ihren Gästen gemeinsam gespeist hatten. (ehg)

 

 

Ausgezeichnete Schützen im Mittelpunkt

Würselener St.-Sebastianus-Schützengesellschaft feiert Patronatsfest. Matinee mit Ehrungen. Auch die Karnevalisten gratulieren. 

Glückwunsch: Präsidet Hans-Peter Claessen (2.v.l.) gratuliert dem König Sebastian Jagmann, der seit 50 Jahren der Gesellschaft angehört und zum ersten Mal König wurde. Eine weitere hohe Ehrung wurde Sebastian Jagmann zuteil, er wurde mit dem St.-Sebastianus-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Foto: W.Sevenich 

Würselen. Festlich beging die Kirchengemeinde St. Sebastian gemeinsam mit der Schützen-Gesellschaft 1624 das Fest ihres Schutzpatrons, des heiligen Sebastian. Eingeläutet wurde das Patronatsfest durch einen feierlichen von Pfarrer Rainer Gattys – assistiert von Diakon Michael Lang – im „Dom“ zelebrierten Gottesdienst. Musikalisch gestaltet wurde er durch den Kirchenchor unter der Leitung von Kantorin Ulrike Botzet. Zu Gehör brachte er die „Messe brève“ Nr. 7 von Charles Gounod und das „Jubilate Deo“ des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Samuel Jones. Durch Pfarrer Gattys gesegnet wurde das neue Silber für den Ehrenkönig, bevor es an Rudi Mainz weiter gereicht wurde. Im Vorraum der Kirche hatte Fotograf Karl-Heinz Klinkenberg Bilder über das Schützenbrauchtum, wie es in der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 gelebt wird, ausgestellt. Eine kleine, aber doch feine Ausstellung, die auch über den Festtag hinaus Interesse bei den Kirchenbesuchern wecken dürfte.

Unter den Klängen des Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ unter Korpsführer Guido Bleser zogen die Schützen den Markt hinunter durch die Friedrich- und Wilhelmstraße zum Pfarrheim. Hier begrüßte Präsident Hans-Peter Claessen neben Pfarrer Karl-Josef Pütz und Diakon Michael Lang Abordnungen befreundeter Schützenvereine, innerstädtischer Jungenspiele und ortsansässiger Karnevalsvereine. Im Mittelpunkt der Matinee stand die Ehrung von treuen aktiven Schützen. Seit zehn Jahren als guter Handwerker unentbehrlich ist Stuart Eason. Außerdem bekleidet er seit drei Jahren das Amt des stellvertretenden Schatzmeisters. Ihm dankte der Präsident durch die Verleihung des silbernen Verdienstkreuzes des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Seit 1973 ist der langjährige Schießmeister und heutige Geschäftsführer Heinz Dieter Pütz Mitglied. Den Vogel holte er im Jahre 1988 und 2000 von der Stange. Ihm gebührte als Dank und Anerkennung seiner Verdienste der Hohe Bruderschaftsorden. Bezirksbundesmeister Hans-Josef Krings verlieh ihm den Orden.

Lebenstraum erfüllt

Sein 40-Jähriges in der Gesellschaft feierte Hans Wittl. Er trägt zwar seit geraumer Zeit keine Uniform mehr, ist ihr aber als Künstler nach wie vor verbunden. Eine kleine Aufmerksamkeit hielt Claessen für den Schützenkünstler bereit. Mit 30 Jahren in die Gesellschaft eingetreten, blickte Schützenkönig Sebastian Jagmann auf ein halbes Jahrhundert in der Gesellschaft zurück. Als Huf- und Wagenschmied erwarb er sich in jungen Jahren vielfältige Verdienste um die Erledigung handwerklicher Aufgaben. Er baute – so Präsident Claessen – mit den Schützen Peter Hendriks und Bernhard Reinders den Hochstand am Parkhotel. 1984 verlieh der damalige Dekanatsbundesmeister Heinz Pennartz ihm den Hohen Bruderschaftsorden. Ehrenkönig war er 1966 und 2000. Seinen Lebenstraum erfüllte er sich 2011, als er mit dem 105. Schuss den Vogel „erlegte“. Die Gesellschaft überreichte dem Goldjubilar eine von Hans Wittl gemalte Urkunde. Bezirksbundesmeister Krings ehrte das älteste aktive Mitglied der Schützen mit dem Sebastianus-Ehrenkreuz des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

Erstmalig bei den Schützen auf der Matinee zu Gast waren die „Wöschelter Prinzen“, die mit ihren Liedern die Gäste prächtig in Stimmung versetzten. Herzlichst begrüßte Hauptmann Diether Zimmermann das düvelstädtische Prinzenpaar, Jürgen I. und Anne II. (Krell) mit Prinzengarde, WKV-Damengarde und Hofstadt, musikalisch geleitet von den „Alten Kameraden“. Auch bei den Schützen eroberte das sympathische Herrscherpaar die Herzen seiner Untertanen im Sturm. Mit seinen beiden flotten Liedern brachten Seine Tollität und Ihre Lieblichkeit die Stimmung rasch auf den Höhepunkt. Es war auch bei den Schützen keine Frage: Sie sind ein Glücksfall für den vaterstädtischen Karneval. Zu Ehren des Prinzenpaares und der Gäste im Saal tanzte das charmante Mariechen der Prinzengarde, Melanie Kreutzer. (ehg)

Joomla templates by a4joomla