Hans-Josef Bülles lässt nichts anbrennen

Der 54-Jährige erfüllt sich einen lang gehegten Wunsch: endlich König der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624


Der Königsvogelschuss hat gesessen: Nach 34-jähriger Mitgliedschaft in der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft Würselen hat Hans-Josef Bülles (Mitte) zum ersten Mal die Königswürde errungen. Foto: W. Sevenich 

Würselen. Da fiel dem Präsidenten der traditionsreichen St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624, Hans-Peter Claessen, ein dicker Stein vom Herzen, als sich beim 389. Königsvogelschuss entgegen den Prognosen der Meteorologen der Himmel über dem Stadtgarten auftat. Hatte es am Morgen doch noch „Land unter“ am Schießstand geheißen.

Banger Blick zum Himmel

Der einzige Wermutstropfen am Ende eines doch noch recht gelungenen Schützenfestes: Wegen des unsicheren Wetters stellten sich die Schaulustigen nicht in der großen Zahl ein, wie die Schützen es sich bei strahlendem Sonnenschein erhofft hätten. Stark vertreten waren die Spellsleute aus den drei Quartieren, die sich Hoffnung auf ein Königsspiel machen durften. Beim mittäglichen Schützenschmaus im Zelt neben dem Schießstand ließen die Sebastianus-Schützen und deren Gäste Wetter Wetter sein. Ihnen mundete, was Küchenchef Schulz vom Haus Brepols ihnen an Kulinarischem zubereitet hatte.

Sodann wurde der erste von zwei Vögeln, die Kerstin Claessen-Eason kunstvoll geschmückt hatte, aufgesetzt. Nach einem gerechteren Modus wurde der Volkskönig 2013 ermittelt. Zu diesem Wettstreit trugen sich insgesamt 28 Schießsport-Begeisterte in die Starterliste ein, die allesamt ihr Glück versuchen wollten. Bis zum 94. Schuss zog sich der mit präzisen Nitrogewehren stattfindende Wettstreit hin. Aus ihm ging schließlich Peter Braunleder als neuer Volkskönig hervor. Präsident Claessen überreichte ihm als äußeres Zeichen seiner Würde die Königskette. Der „Einsatz“ ist auch in diesem Jahr wieder für einen sozialen Zweck bestimmt.

Unter den zackigen Klängen des Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ marschierten die Schützen zu ihrem Königsvogelschuss auf. „Es war eine schöne Zeit mit Dir“, verabschiedete der Präsident den noch amtierenden König Heinz-Dieter Pütz. Herzlich begrüßte er Abordnungen von Bruderschaften aus Bardenberg, Weiden mit König Olaf Rath, Scherberg mit König Markus Bezold, Drisch, Morsbach mit König Alexander Beckers und Schweilbach.

Bevor Bürgermeister Arno Nelles seinen Ehrenschuss abfeuerte, drückte er den Schützen die Daumen „zu einem fairen Wettkampf“. Es folgten Diakon Michael Lang, Bezirksbundesmeister Hans-Josef Krings und der neue Volkskönig Peter Braunleder.

Weit über den Stadtgarten hinaus hallten die mit Blei und Schwarzpulver geladenen „Donnerbüchsen“ bei jedem Schuss wider. Mit von der Partie war als Newcomer Frank Lube. Mit der Unsicherheit des Wetters im Nacken – es zogen immer mal dunkle Wolken von Osten her auf – rückten nach der ersten Runde die auf den König eingeschworenen Schützen – unter ihnen auch der 87-jährige Christian Pütz – dem Vogel mit den drei Lagen zu Leibe. Wie er landete auch der ehemalige Präsident Winand Speckgens, der immer noch der Königswürde hinterher läuft, so manchen Treffer.

Vogel dreht Ehrenrunde

Unter Anweisung des Schießwartes Gerhard Hendriks nahm Vize-Präsident Dirk Nehr, der „mit aller Gewalt“ König werden wollte, den Vogel ins Visier. Er langte derart zu, dass dieser eine Ehrenrunde um die Schraube drehte. „Er kann bei jedem weiteren Treffer fallen“, machte er keinen Hehl daraus, dass seine Träume zerplatzt waren. Schob als Trost aber nach: „Im vorigen Jahr hielt er ja auch noch eine Runde durch!“ Karlheinz Naß, der Volkskönig von 2000 und König von 2009 war der nächste Schütze. Um es vorweg zu nehmen, er wurde Ehrenkönig. Ließ doch der 54-jährige Hans-Josef Bülles als nächster Schütze nichts Anbrennen. Seit 1979 Mitglied der Gesellschaft erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch. „König der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624“ fehlte dem Vorsitzenden des Kulturausschusses noch in seiner „Sammlung“ der vielen Titel, die er im Laufe seines Lebens als Sportler, Fahnenschwenker und Karnevalist erwarb.

Ihm galten nicht nur die Glückwünsche seiner Schützenfreunde, sondern vor allem auch der Spellsleute von Bissen. Ihnen bescherte er nämlich mit dem 87. Schuss das Königsspiel. An den Tagen der großen Kirmes in der Stadt der Jungenspiele dürfen sie mit „ihrem“ König und den Schützen im Spiel aufmarschieren.

Den Segen Gottes erbat im Stadtgarten Diakon Michael Lang für den neuen Würdenträger, bevor Präsident Claessen ihm das Königssilber überreichte. (ehg)

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