Schützenbruderschaft oder Schützengesellschaft?
 

Was ist überhaupt der Unterschied?

Einige Forscher vertreten den Standpunkt, Schützengilden oder -gesellschaften seien im Laufe ihrer ganzen Geschichte nie etwas anderes gewesen als militärische Wehrverbände.

In der Tat entzog sich in Notzeiten früher sicher kein Gildemitglied dem aktiven Kampf im Felde oder dem Wachdienst an den Tortürmen, Brücken und Wehrgängen in den bedrohten Heimatstädten, der an sich den berufsmäßigen Stadtschützen und besoldeten Torwächtern oblag.

Nun brach aber im Gefolge der Kriegswirren - in der Mitte des 14. Jahrhunderts - der "Schwarze Tod" aus, eine Pestepidemie von unglaublichen Ausmaßen.
 
Sie kam aus China und breitete sich über Italien nach Norden aus.

Der Volksglaube sah darin ein göttliches Strafgericht, und in vielen Orten des Reiches entstanden so genannte Pestbruderschaften, die sich der Versorgung der Pestkranken, der Bestattung der umher liegenden Leichen und der Hinterbliebenen annahmen. So suchten sie den Zorn Gottes zu besänftigen.

Sie errichteten Kapellen, Altäre und "Pestsäulen". Diese wurden bestimmten "Pestheiligen", wie dem heiligen Sebastian, dem hl. Rochus, der hl. Anna, dem hl. Christophorus und den hl. 14 Nothelfern geweiht.
 
Der hl. Sebastian war allerdings schon vor Ausbruch der Seuche (als Kultopfer der Bogenschützen) Schutzpatron vieler Schützenvereinigungen.

Die Verwurzelung des mittelalterlichen Menschen im christlichen Glauben führte also dazu, dass viele Schützengemeinschaften zugleich kirchliche Bruderschaften waren und sich einen Heiligen als Schutzpatron wählten, sehr oft den hl. Sebastian, aber auch den Erzengel Michael oder den hl. Hubertus.

Doch kam es nicht nur vor, dass dergleichen Bruderschaften zunächst einem hl. Schutzpatron geweiht waren und später Schützengesellschaften wurden, sondern auch der umgekehrte Vorgang lässt sich nachweisen.
 
Also: Aus Bruderschaften wurden Schützengesellschaften – aus Schützengesellschaften wurden Bruderschaften.
 
Zusammenfassend lässt sich deshalb feststellen: Ob nun der ein oder andere Weg, unterschiedlich ist heutzutage nur noch die Namensgebung. Denn inhaltlich verfolgen wir mittlerweile allesamt die selben Ziele, ob nun als Brudermeister einer Schützen-Bruderschaft oder als Präsident einer Schützen-Gesellschaft. Wir feiern die gleichen Feste, verehren die selben Heiligen, leben nach den gleichen Grundsätzen „Glaube, Sitte, Heimat“ und befinden uns alle unter dem Dach des "Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften".

 

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