Würselen. Hans-Josef Bülles ist seit 40 Jahren Mitglied der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft Würselen 1624. Im Gespräch mit Markus Ross spricht er über sein Engagement für das Schützenwesen sowie über besondere Erlebnisse und Erinnerungen. Außerdem nimmt er Stellung zur Nachwuchsproblematik und wirft einen Blick in die Zukunft.

 

Herr Bülles, wie kam es 1978 zum Entschluss, bei dieser renommierten Schützen-Gesellschaft in Würselen mitzumachen?

Hans-Josef Bülles: Waren schon die Gesellschaft bzw. der Königsvogelschuss und das daraus hergeleitete Königsspiel Anlass zur Gründung der „Fahnenschwenkergruppe Würselen 1978 e.V.“, so kam es beim Fahnenschwenken vor unserem Dom zu einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten Robert Göttgens. Tenor war, die Schützen bekommen einen fahnenschwenkenden Fähnrich. Diese Idee war natürlich sehr interessant. Nach Kirmes wurde im Hause Göttgens das notwendige Paket geschnürt: Aufnahmeantrag, Entwurf eines Fahnentuchs, geänderte Uniform und Kopfbedeckung etc. Zum Patronatsfest im Januar 1979 gab es den ersten Auftritt. Ich erinnere mich noch genau an die Kommentare: „Der arme Schütze, für Ärmel hat es nicht gereicht…“ Ich trug ja nur eine Weste, oder mein Barett mit weißer Feder als Kopfbedeckung - auch hier gab es die ein oder anderen kleine „Lästerei“.

 

40 Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt sicherlich viele bleiben Erinnerungen. Welches waren Ihre schönsten Erlebnisse?

Hans-Josef Bülles: Natürlich gab es in den 40 Jahren viele schöne, aber auch einige traurige Momente. Man muss sich vorstellen, dass ich mit meinen 20 Jahren das Küken der Gesellschaft war. Das blieb rund 15 Jahre so. Daher waren viele Schützenbrüder meine „väterlichen“ Freunde und wenn diese dann plötzlich nicht mehr da waren, schmerzte das schon. Jedes Jahr aufs Neue das Erlebnis des Königsvogelschuss. Diese Gefühlslage ist kaum zu beschreiben. wenn es dann wieder nicht geklappt hatte, war man enttäuscht oder man freute sich mit dem König, wenn das Königsspiel wenigstens in Bissen landete. Höhepunkt war meine Königswürde im Jahre 2013. Nach mehr als drei Jahrzehnten durfte ich zum ersten Mal das Königssilber tragen. Alleine die Erinnerung an den großen Umzug von St. Sebastian über den Markt die Kaiserstraße rauf erzeugt bei mir noch heute Gänsehaut. Daneben konnte ich aber auch als Schützenfahnenschwenker eine Vielzahl von Meisterschaften bestreiten. Auch hier konnte ich einige Titel auf Bezirks-Diözesan-und Bundesebene für unsere Gesellschaft erringen.

 

Wer Sie kennt, der weiß, dass Sie für das Ehrenamt leben. Schützen, Karneval, Jungenspiele – hier sind Sie zuhause. Warum dieser Einsatz für das Gemeinwohl „rund um die Uhr“?

Hans-Josef Bülles: Ich gehöre der Spezi „Vereinsmensch“ an. Mein Vater hat mir folgenden Leitsatz mitgegeben: Möchtest Du etwas bewegen, dann muss Du dich bewegen! Dieser Satz hat auch heute noch seine volle Berechtigung. Zurzeit hört man überall den Begriff „Heimat“, für mich ein deutliches Zeichen, dass der schleichende Prozess des Werteverlustes auch in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Genau hier ist die Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Den Jugendlichen und jungen Erwachsen Hilfestellungen anbieten, um gemeinsam die notwendigen Arbeiten in Sachen Brauchtum und Kultur zu bearbeiten. Damit kann ein stückweit Zufriedenheit und Freude, aber auch Selbstverwirklichung erzielt werden.

 

Etwas Sorge bereitet der fehlende Nachwuchs bei den Schützen. Wie sollte man hier entgegenwirken?

Hans-Josef Bülles: Das Thema Nachwuchs bei den Schützen muss man sehr differenziert sehen. Dort, wo der Schießsport an erster Stelle steht, wird das Einwerben immer schwieriger. Der Umgang mit der Waffe ist heute in unserer Gesellschaft mit großen Vorurteilen behaftet. Die Übungsleiter, Trainer und Jugendleiter haben eine besondere Fürsorgepflicht. Wenn man aber genau hinschaut, stellt man fest, dass das immer schon so war. Bei unseren Traditionsschützen ist die Situation natürlich eine andere. Die Zielrichtung bzw. Ausrichtung geht mehr in den Bereich des sozialen Engagement, der Traditionspflege, der Wahrung des Brauchtums und der Kameradschaft. Natürlich steht der Königsvogelschuss ganz vorne an, aber auch den Einsatz zur Kinderkommunion, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam darf man nicht vergessen.

 

Wie sehen Sie die St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft in fünf bis zehn Jahren aufgestellt?

Hans-Josef Bülles: Ich bin mir sicher, die St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft Würselen 1624 e.V. steht auf einem stabilen Fundament. Wichtig wird es natürlich sein, neue „junge“ Mitglieder zu gewinnen. Hier sind besonders die verheirateten Jungenspielaktiven zu sehen, sie haben bereits Erfahrung im Umgang mit dem Schützenwesen und können mit der Begrifflichkeit „Tradition und Brauchtum“ etwas anfangen. Gleichzeitig sind aber auch die Mitglieder des Präsidiums gefordert, für die einzelnen Aufgabenbereiche immer wieder Funktionsträger zu finden. Klar ist, das Führen eines Vereines wird durch behördliche Auflagen, Sicherheitskonzepte, gesetzliche Vorgaben und vieles mehr in Zukunft nicht leichter. Hier liegt die besondere Herausforderung an das Ehrenamt.

 

Welchen Wert hat das ehrenamtliche Engagement für den Zusammenhalt einer Gesellschaft?

Hans-Josef Bülles: Der Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements ist sehr hoch, dies gilt nicht nur für unsere Schützengesellschaft, sondern auch für die Gesellschaft im Allgemeinen. Ehrenamt ist die Basis für die Erhaltung und die Fortführung unseres Brauchtums. Das Schützenwesen ist ein anerkanntes Kulturgut. Genau diese Kultur ist mehr als ein Erbe der Vergangenheit, sie ist auch Ressource für unsere Zukunft. Sie ist Bindeglied zwischen Jung und Alt, zwischen Altertum und Neuzeit. Daher muss man dieses Brauchtum „er“-leben und gemeinsam, generationsübergreifend, feiern. Es muss gelingen, die folgenden Generationen mit unserem Einsatz zu überzeugen, dass es sich lohnt, sich einzubringen. Das wird die Stellschraube sein, die die nächsten Jahre bestimmen. Das Schützenwesen auf Glaube, Sitte, Heimat zu reduzieren ist nicht der richtige Weg. Soziales Engagement, Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit, sowie der Einsatz für Frieden und Sicherheit werden in Zukunft Hauptaufgaben nicht nur der Schützengesellschaften sein, also packen wir es an!

Ein herzliches Dankeschön an alle Gäste, Freunde und Mitwirkende beim gestrigen Patronatsfest.

Wir hatten einen tollen Tag mit allen und freuen uns bereits jetzt auf ein Wiedersehen.

Dank auch an die Show Tanzgruppe der KG AuÜlle, dem Stadtprinzen Hanno I., der Prinzengarde des 1. WKV, dem Bundestambourkorps Alte Kameraden, den Oberländer Buam, der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Würselen, der Pfarre St. Sebastian und sowie allen anderen Schützenvereinen!

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